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A) Das ‘Domestic Violence Inventory’ (DVI) zielt darauf ab, abzuschätzen, welche Maßnahme/Behandlung sinnvoll ist. Es kann daher die Expertise der EhrenamtlerInnen und ihre Entscheidungsfindung darin unterstützen, den Täter/die Täterin in ein Programm/Verfahren aufzunehmen. Dieses ‚Inventar’ ist automatisiert und normiert und beinhaltet 155 Items. Es dauert ca. 30-35 Minuten.
Das DVI beinhaltet sechs Skalen die die Bereiche „Glaubwürdigkeit“, „Letalität“, „Kontrolle“, „Alkoholmissbrauch“, „Drogen“ und „Umgang mit Stress“ abdecken. Ein Bereich wird dann als Problem definiert, wenn der Skalenwert bei 70% und höher liegt. Ernsthafte Probleme gelten als solche, wo die Skalenwerte bei 90% und mehr liegen.
Die Skala für die Glaubwürdigkeit misst, wie glaubwürdig der/die TäterIn oder der/die Teilnehmerin während des Tests war. Je höher der erreichte Skalenwert, desto unglaubwürdiger die Person, weil sie übervorsichtig war, ihre Probleme minimiert hat oder aber Antworten vorgetäuscht hat usw. Ein hoher Skalenwert deutet auch auf ein unkooperatives Verhalten hin wie zum Beispiel zu versuchen, in einem „guten Licht“ zu erscheinen. Die Gewalt-Skala zielt darauf ab, Teilnehmer zu identifizieren, die entweder gegenüber sich selbst oder anderen gefährlich sind. Hier liegt das Augenmerk auf körperlichem Zwang. Erhöhte Werte weisen auf eine mangelnde Einsicht dahingehend hin, wie Wut oder Feindseligkeit anders ausgedrückt werden können. Je höher der Skalenwert, desto schlimmer die Prognose. Im Kontext von häuslicher Gewalt bezieht sich Kontrolle darauf, andere zu überwachen/regeln, einzuschränken und zu kontrollieren. Diese Arten kontrollierenden Verhaltens reichen von milden bis zu schwerwiegenden Formen. Schweres kontrollierendes Verhalten fokussiert auf übertriebenes, verzerrtes oder extremes Verhalten wie beispielsweise zu fluchen, stoßen, einschüchtern, schlagen oder sogar misshandeln. Hohe Werte von 70% bis 89% weisen auf das Vorliegen von regulierendem/überwachendem, einschränkendem und kontrollierendem Verhalten hin. Schwerwiegende Probleme liegen bei Werten von 90% bis 100% vor. Diejenige Skala, die den Gebrauch von Alkohol und schwerwiegenden Alkoholmissbrauch misst, hat ähnliche Skalierungen, d.h. je höher der Wert desto schwerwiegender das Problem. Die Drogenskala misst Substanzmittelmissbrauch illegaler Drogen wie Kokain, Crack, Barbiturate und Heroin. Ein erhöhter Drogenskala-Wert von 70% bis 89% weist auf ein aufkommendes Drogenproblem hin. Werte zwischen 90% und 100% identifizieren ernsthafte Konsumenten illegaler Drogen. Schließlich wird auch die Fähigkeit gemessen, mit Stress umzugehen. Die Stress-Skala misst, wie gut die Testperson mit Stress umgehen kann Es ist bekannt, dass Stress Symptome von geistigen und emotionalen Problemen verschlimmern kann. Auch hier gilt: Je höher die Werte, desto schwerwiegender das Problem.
Jede einzelne Skala kann schon einen Risikofaktor ausweisen, aber von größerem Interesse ist die Verknüpfung mit den anderen Skalen. Zum Beispiel, wenn eine Person nicht gut mit Stress umgehen kann, werden auch andere Probleme verschärft. Diese verstärkende Wirkung eines Problems gilt auch für Substanzmittelmissbrauch (Alkohol und andere Drogen), Gewalt (Letalität), Kontrollprobleme und stressbezogene Probleme. Eine erhöhte Alkohol-Skala erhöht in Verbindung mit anderen hohen Werten den Schweregrad dieser erhöhten Werte. Liegt zum Beispiel bei einer Testperson ein erhöhter Gewalt-Wert vor, der zudem einen erhöhten Alkohol-Wert aufweist, ist diese Person als verstärkt gefährlich einzuschätzen, wenn sie trinkt.
B) Andere Instrumente
Viele der Frauennotrufe, Frauenhäuser oder andere psychosoziale Einrichtungen benutzen zusätzlich Fragebogen, in denen beispielsweise die Expertise des Opfers in die Entscheidungsfindung einbezogen wird. Einige von diesen Fragebogen zielen auf die Risikoeinschätzung der Letalität ab und sind ähnlich aufgebaut wie das hier umrissene Beispiel:
Andere Fragebogen wiederum zielen darauf ab, Risikofaktoren zu identifizieren und können folgende Fragen beinhalten. Auch hier handelt es sich um Opfer-zentrierte Fragebogen.
Da sehr häufig nur eine sehr feine Linie die BeraterInnen und TrainerInnen von denjenigen trennt, die Gewalt ausüben, ist Supervision eine zwingende Voraussetzung für die Arbeit der EhrenamtlerInnen/Laien und Fachkräfte. In einigen psychosozialen Einrichtungen unterrichten ehemalige Täter gegenwärtige Täter. Die TrainerInnen und BeraterInnen müssen ihre eigenen gewalttätigen Potentiale reflektieren, eigene Rollenmodelle und ihre Haltung zu Homosexuellen auf den Prüfstand stellen.
Es gibt verschiedene Formen von Supervision, von der Team-Supervision zur Einzelsupervision, vom Heranziehen einer externen Fachkraft bis hin zu kollegialer Supervision. Auch wenn psychosoziale Einrichtungen ein beschränktes Budget haben, kann nicht genug betont werden, dass die Arbeit mit Tätern und Täterinnen immer einer Supervision für die TrainerInnen und BeraterInnen bedarf.